Swiss German — Essentials (for German Speakers) Official
240 essential Swiss German (Züridütsch) words for German speakers. Greetings, everyday expressions, key differences from Hochdeutsch, with phonetic pronunciation guides and Bärndütsch variants in grammar notes.
CEFR A1 — Beginner
At this level you can introduce yourself, order food, ask directions. Vocabulary: ~500 words (cumulative).
Swiss German → German253 words~26 days at 10 words/day0 downloadsA1A2
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Aussprache: [GRÜE-zi] (üe wie in grüen, z = ts). Formelle Begrüssung in der Deutschschweiz. Kommt von 'Gott grüeze euch'. In Bern sagt man 'Grüessech'.
Grüessech
Guten Tag (formell, Bern)
Grüessech, Frau Meier, wie gaats?
Guten Tag, Frau Meier, wie geht es Ihnen?
Aussprache: [GRÜE-sech] (ch wie in ach, Berner Variante). Bärndütsche Variante von 'Grüezi'. Wird mit dem Dativ-Pronomen 'ech' (euch) gebildet.
Hoi
Hallo (informell)
Hoi, was machsch hüt?
Hallo, was machst du heute?
Informelle Begrüssung unter Freunden. Typisch für die gesamte Deutschschweiz.
Sali
Hallo (informell)
Sali, chunnsch au is Kino?
Hallo, kommst du auch ins Kino?
Informelle Begrüssung, häufig in Zürich und Basel. Kommt vom französischen 'Salut'.
Tschau
Tschüss / Ciao
Tschau, bis morn!
Tschüss, bis morgen!
Informeller Abschied. Kann auch als Begrüssung verwendet werden. Aus dem Italienischen 'ciao'.
Uf Wiederluege
Auf Wiedersehen
Uf Wiederluege, Herr Doktor.
Auf Wiedersehen, Herr Doktor.
Aussprache: [uf WII-der-lue-ge] (ue wie langes u+e verschliffen). Formeller Abschied. 'Luege' = schauen (statt 'sehen'). Zeigt, dass Schweizerdeutsch 'luege' statt 'sehen' bevorzugt.
Adieu
Auf Wiedersehen / Tschüss
Adieu, mir gsehnd üs!
Tschüss, wir sehen uns!
Aus dem Französischen übernommen. In der Westschweiz und in Bern häufiger als in Zürich.
Merci vilmal
Vielen Dank
Merci vilmal für d Hilf!
Vielen Dank für die Hilfe!
Aussprache: [mär-SSI wil-mahl] (Betonung auf der zweiten Silbe von Merci). Französisches 'merci' ist im Schweizerdeutschen vollständig integriert. 'Vilmal' = vielmals.
Exgüsi
Entschuldigung
Exgüsi, wo isch de Bahnhof?
Entschuldigung, wo ist der Bahnhof?
Aussprache: [ex-GÜ-si] (ü wie in über, Betonung auf Gü). Aus dem Französischen 'excusez'. Wird oft als höfliche Anrede an Fremde benutzt.
Bitte
Bitte
En Kafi, bitte.
Einen Kaffee, bitte.
Wie im Hochdeutschen. 'Kafi' ist die schweizerdeutsche Kurzform von 'Kaffee'.
Gärn gscheh
Gern geschehen / Bitte sehr
Gärn gscheh, das isch keis Problem.
Gern geschehen, das ist kein Problem.
Aussprache: [GÄRN GSCHEH] (gsch- als ein Laut, ä wie in Bär). Wörtlich 'gern geschehen'. Das 'e' in 'gern' wird zu 'ä', typisch für Schweizerdeutsch.
Wie gaats?
Wie geht es (Ihnen/dir)?
Hoi, wie gaats der?
Hallo, wie geht es dir?
Aussprache: [wie GAATS] (langes a, nicht ei wie in geht). 'Gaats' = geht es. Das Pronomen 'der' (dir) oder 'Ihne' (Ihnen) folgt. Bärndütsch: 'Wie geit's?'
Danke guet
Danke, gut
Danke guet, und dir?
Danke, gut, und dir?
Aussprache: [dan-ke GUET] (ue-Diphthong, nicht wie gut). Standardantwort auf 'Wie gaats?'. 'Guet' statt 'gut' zeigt die typische Vokalverschiebung u→ue.
Schöne Oobe
Schönen Abend
Schöne Oobe, schlafed guet!
Schönen Abend, schlaft gut!
Aussprache: [SCHÖ-ne OO-be] (langes geschlossenes o). 'Oobe' = Abend (formeller). Im Zürichdeutschen auch 'Aabig' (informeller). Die Akkusativendung '-en' fällt weg.
En Guete
Guten Appetit
S Ässe isch parat, en Guete!
Das Essen ist fertig, guten Appetit!
Aussprache: [en GUE-te] (ue-Diphthong wie in guet). Wörtlich 'einen Guten'. Wird vor dem Essen gesagt. 'Parat' = bereit/fertig (aus dem Französischen 'paré').
Proscht
Prost
Proscht, uf üsi Gsundheit!
Prost, auf unsere Gesundheit!
Aussprache: [PROSCHT] (mit sch vor t, nicht Prost). 'Proscht' mit sch-Laut, typisch Zürichdeutsch. 'Üsi' = unsere. Man schaut sich beim Anstossen in die Augen.
Hoi zäme
Hallo zusammen
Hoi zäme, sind alli da?
Hallo zusammen, sind alle da?
Aussprache: [hoi ZÄ-me] (ä wie in Bär). 'Zäme' = zusammen. 'Alli' = alle. Informelle Gruppenbegrüssung.
Aussprache: [tschau ZÄ-me] (ä wie in Bär). Informeller Gruppenabschied. 'S nöchschte Mal' = das nächste Mal.
Guete Morge
Guten Morgen
Guete Morge, häsch guet gschlafe?
Guten Morgen, hast du gut geschlafen?
Aussprache: [GUE-te MOR-ge] (ue-Diphthong). 'Morge' statt 'Morgen'. Das End-n fällt in vielen schweizerdeutschen Wörtern weg.
Guet Nacht
Gute Nacht
Guet Nacht, schlaf guet!
Gute Nacht, schlaf gut!
Aussprache: [GUET NACHT] (ue-Diphthong, ch wie in ach). 'Guet' statt 'gute'. Die Adjektivendung fällt weg, typisch für Schweizerdeutsch.
Grüezi wohl
Guten Tag (sehr formell)
Grüezi wohl, was chan ich für Sie tue?
Guten Tag, was kann ich für Sie tun?
Aussprache: [GRÜE-zi WOHL] (üe-Diphthong). Sehr formelle Begrüssung, z.B. im Geschäft. 'Chan' = kann, 'tue' = tun.
Adie
Tschüss (informell)
Adie, mir luegeds a!
Tschüss, wir schauen es uns an!
Informelle Version von 'Adieu'. Besonders in Bern und der Westschweiz verbreitet.
Bis bald
Bis bald
Bis bald, i freu mi!
Bis bald, ich freue mich!
Wie im Hochdeutschen. 'I' statt 'ich' ist typisch Zürichdeutsch. 'Freu mi' = freue mich.
Schöne Taag
Schönen Tag
Schöne Taag no, Adieu!
Noch einen schönen Tag, auf Wiedersehen!
Aussprache: [SCHÖ-ne TAAG] (langes a, nicht kurzes a wie in Tag). 'Taag' mit langem a statt 'Tag'. 'No' = noch, wird oft am Ende angehängt.
Es freut mi
Es freut mich / Freut mich
Grüezi, es freut mi, Sie kennezlerne.
Guten Tag, es freut mich, Sie kennenzulernen.
Aussprache: [es freut MI] (mi statt mich). 'Mi' = mich. 'Kennezlerne' = kennenzulernen. Das Zürichdeutsche verschleift oft Infinitivkonstruktionen.
Wie heissed Sie?
Wie heißen Sie?
Grüezi, wie heissed Sie?
Guten Tag, wie heißen Sie?
Aussprache: [wie HEIS-sed sie] (-ed Endung hörbar). 'Heissed' = heißen (Höflichkeitsform). Die 3. Person Plural wird als Höflichkeitsform verwendet, wie im Hochdeutschen.
I bi de...
Ich bin der/die...
Hoi, i bi de Marco.
Hallo, ich bin der Marco.
Aussprache: [I BI de] (i = ich, kurz und offen). 'I' = ich, 'bi' = bin. 'De' = der (Artikel vor Vornamen ist im Schweizerdeutschen üblich).
luege
schauen / gucken
Lueg mol, was i gfunde ha!
Schau mal, was ich gefunden habe!
Aussprache: [LUE-ge] (ue = langes u und e verschliffen, wie Buch+e). Eines der wichtigsten Schweizer Verben. Ersetzt 'schauen/sehen/gucken'. 'Lueg' = Imperativ. 'Mol' = mal.
lose
hören / zuhören
Los mol, i muess der öppis säge.
Hör mal, ich muss dir etwas sagen.
Aussprache: [LO-se] (kurzes offenes o, s stimmlos). 'Lose' = hören/zuhören. 'Los' = Imperativ. Nicht zu verwechseln mit hochdeutsch 'losen' (lauern). 'Öppis' = etwas.
rede
reden / sprechen
Chasch du au Schwiizerdütsch rede?
Kannst du auch Schweizerdeutsch sprechen?
'Rede' wird sowohl für 'reden' als auch 'sprechen' verwendet. 'Chasch' = kannst (du-Form von 'chönne').
chaufe
kaufen
Ich muess no Brot chaufe.
Ich muss noch Brot kaufen.
Aussprache: [CHAU-fe] (starkes uvulares ch, wie kräftiges Räuspern + au). k→ch Verschiebung: 'kaufen' → 'chaufe'. Das ch wird uvular gesprochen, deutlich stärker als das deutsche ch in 'ach'. Bärndütsch: 'choife'.
schaffe
arbeiten
Ich schaffe vo achti bis füfi.
Ich arbeite von acht bis fünf.
Aussprache: [SCHAF-fe] (kurzes a, doppeltes f). 'Schaffe' = arbeiten (nicht 'schaffen' im Sinne von 'bewältigen'). 'Achti/füfi' = acht/fünf (mit Diminutiv-ähnlicher Endung für Uhrzeiten).
poschte
einkaufen
Ich gang no schnäll poschte.
Ich gehe noch schnell einkaufen.
Aussprache: [POSCH-te] (sch in der Mitte). Aus dem Französischen 'la poste'. Bedeutet 'Einkäufe erledigen'. 'Gang' = gehe (ich-Form von 'gah').
laufe
gehen / zu Fuß gehen
Mir laufed hüt i d Stadt.
Wir gehen heute in die Stadt.
ACHTUNG: 'Laufe' = gehen (nicht rennen!). Im Hochdeutschen bedeutet 'laufen' oft 'rennen', im Schweizerdeutschen bedeutet es 'gehen'.
Aussprache: [SCHTAH] (scht- am Anfang, langes a). 'Stah' (Infinitiv) statt 'stehen'. Konjugation: i stah, du stasch, er/si staht, mir stönd. Bärndütsch: 'staa'.
cho
kommen
Wänn chunnsch du hei?
Wann kommst du nach Hause?
Aussprache: [CHO] (starkes uvulares ch + kurzes o). 'Cho' = kommen. Konjugation: i chume, du chunnsch, er/si chunnt, mir chömed. 'Hei' = heim/nach Hause.
gah
gehen
Mir gönd jetzt go ässe.
Wir gehen jetzt essen.
Aussprache: [GAH] (langes offenes a). 'Gah' = gehen. Konjugation: i gang, du gasch, er/si gaht, mir gönd. 'Go' ist eine Partikel vor dem Infinitiv bei Bewegungsverben.
wüsse
wissen
Ich weiss nöd, wo er isch.
Ich weiß nicht, wo er ist.
Aussprache: [WÜS-se] (ü wie in Brücke, doppeltes s). 'Wüsse' = wissen. 'Nöd' = nicht. Die Konjugation: i weiss, du weisch, er/si weiss, mir wüssed.
chönne
können
Chasch du mir hälfe?
Kannst du mir helfen?
Aussprache: [CHÖN-ne] (starkes ch, ö wie in können). k→ch Verschiebung: 'können' → 'chönne'. Konjugation: i cha, du chasch, er/si cha, mir chönd.
müesse
müssen
Ich muess jetzt gah.
Ich muss jetzt gehen.
Aussprache: [MÜÄS-se] (üe-Diphthong, fast wie müä). 'Müesse' = müssen. Konjugation: i muess, du muesch, er/si muess, mir müessed.
wölle
wollen
Wotsch du no es Bier?
Willst du noch ein Bier?
Aussprache: [WÖL-le] (ö wie in wölben). 'Wölle' = wollen. Konjugation: i will, du wotsch, er/si will, mir wönd. 'Wotsch' ist typisch für Zürich.
sölle
sollen
Was söll ich mache?
Was soll ich machen?
Aussprache: [SÖL-le] (ö wie in Öl). 'Sölle' = sollen. Konjugation: i söll, du söllsch, er/si söll, mir sölled.
haa
haben
Ich ha hüt kei Zit.
Ich habe heute keine Zeit.
Aussprache: [HAA] (langes offenes a). 'Haa' = haben. Konjugation: i ha, du häsch, er/si hät, mir händ. 'Kei' = kein/keine.
sii
sein
Wo bisch du gsi?
Wo bist du gewesen?
Aussprache: [SII] (langes geschlossenes i). 'Sii' = sein. Konjugation: i bi, du bisch, er/si isch, mir sind. 'Gsi' = gewesen (Partizip).
mache
machen
Was machsch du am Sundi?
Was machst du am Sonntag?
Wie im Hochdeutschen, aber Konjugation: i mache, du machsch, er/si macht, mir mached. 'Sundi' = Sonntag.
neh
nehmen
Ich nimm no en Kafi.
Ich nehme noch einen Kaffee.
Aussprache: [NEH] (kurzes offenes e). 'Neh' = nehmen. Konjugation: i nimm, du nimmsch, er/si nimmt, mir nämed.
geh
geben
Gib mer mol de Salz.
Gib mir mal das Salz.
Aussprache: [GEH] (kurzes offenes e, Infinitiv von geben). 'Geh' = geben. Konjugation: i gib, du gisch, er/si git, mir gänd. 'Mer' = mir, 'mol' = mal.
lehre
lernen / lehren
Ich lehr grad Schwiizerdütsch.
Ich lerne gerade Schweizerdeutsch.
'Lehre' bedeutet im Schweizerdeutschen sowohl 'lernen' als auch 'lehren'. Der Kontext entscheidet.
zeige
zeigen
Zeig mer mol din nöis Velo!
Zeig mir mal dein neues Fahrrad!
'Zeige' wie im Hochdeutschen. 'Din' = dein, 'nöis' = neues. 'Velo' = Fahrrad (aus dem Französischen).
zieh
ziehen
Mir ziehed nöchscht Wuche um.
Wir ziehen nächste Woche um.
'Zieh' = ziehen. 'Nöchscht Wuche' = nächste Woche. Das Partizip ist 'zoge'.
bringe
bringen
Chasch du mer s Buech bringe?
Kannst du mir das Buch bringen?
'Bringe' wie im Hochdeutschen. Partizip: 'bracht'. 'Mer' = mir, 's Buech' = das Buch.
fahre
fahren
Mir fahred mit em Zug uf Bärn.
Wir fahren mit dem Zug nach Bern.
'Fahre' = fahren. 'Mit em' = mit dem. 'Uf' = nach (Richtungsangabe bei Städten). 'Bärn' = Bern.
tue
tun
Was tuesch du do?
Was tust du hier?
Aussprache: [TUE] (u+e verschliffen, einsilbig). 'Tue' = tun. Konjugation: i tue, du tuesch, er/si tuet, mir tüend. Wird auch als Hilfsverb verwendet ('I tue lese' = Ich lese gerade).
säge
sagen
Was häsch gseit?
Was hast du gesagt?
Aussprache: [SÄ-ge] (ä wie in Bär). 'Säge' = sagen. Partizip: 'gseit'. Konjugation: i säge, du seisch, er/si seit, mir säged.
hälfe
helfen
Chan ich der hälfe?
Kann ich dir helfen?
Aussprache: [HÄL-fe] (ä wie in Bär). 'Hälfe' = helfen. 'Der' = dir (Dativpronomen). Konjugation: i hilf, du hilfsch, er/si hilft.
esse
essen
Mir gönd go Znacht ässe.
Wir gehen Abendessen essen.
Aussprache: [ÄS-se] (offenes ä, doppeltes s). 'Esse' = essen. 'Go' = Partikel vor dem Infinitiv bei Bewegungsverben. 'Znacht' = Abendessen.
Aussprache: [DÖR-fe] (ö wie in Dörfer). 'Dörfe' = dürfen. Konjugation: i dörf, du dörfsch, er/si dörf, mir dörfed.
s Velo
das Fahrrad
Ich fahre mit em Velo is Gschäft.
Ich fahre mit dem Fahrrad ins Geschäft.
Aus dem Französischen 'vélocipède'. In der gesamten Schweiz gebräuchlich, nie 'Fahrrad'. 'Gschäft' = Geschäft/Arbeitsstelle.
s Natel
das Handy / Mobiltelefon
Häsch dis Natel dabi?
Hast du dein Handy dabei?
Markenname der Swisscom, der zum Gattungsbegriff wurde. Heute wird auch 'Handy' verwendet, aber 'Natel' ist typisch schweizerisch.
s Trottoir
der Bürgersteig / Gehweg
Gang uf s Trottoir, do isch sicherer!
Geh auf den Bürgersteig, dort ist es sicherer!
Aussprache: [s TROT-waar] (oir wird -waar gesprochen). Aus dem Französischen. Wird 'Trottwaar' ausgesprochen. In der ganzen Schweiz üblich, nie 'Bürgersteig' oder 'Gehweg'.
s Billett
die Fahrkarte / das Ticket
Ich muess no es Billett löse.
Ich muss noch eine Fahrkarte kaufen.
Aussprache: [s bil-JÄT] (französisch, Endung wie -jät). Aus dem Französischen 'billet'. 'Löse' = kaufen (speziell für Fahrkarten/Eintrittskarten). Bärndütsch: auch 'Bilieu'.
de Znüni
der Vormittagssnack (ca. 9 Uhr)
Ich ässe min Znüni immer um nüni.
Ich esse meinen Vormittagssnack immer um neun.
Aussprache: [de ZNÜÜ-ni] (zn- zusammen, langes ü). Von 'z'Nüni' = zu Neun (Uhr). Typisch schweizerische Mahlzeit. Kein Äquivalent im Hochdeutschen. 'Min' = meinen.
de Zvieri
der Nachmittagssnack (ca. 16 Uhr)
Chömed, mir mached Zvieri!
Kommt, wir machen eine Nachmittagspause!
Aussprache: [de ZWIE-ri] (zv- wird wie zw- gesprochen). Von 'z'Vieri' = zu Vier (Uhr). Nachmittagsimbiss, oft mit Brot, Käse und Früchten. 'Chömed' = kommt (Imperativ Plural).
s Znacht
das Abendessen
Was gits hüt zum Znacht?
Was gibt es heute zum Abendessen?
Aussprache: [s ZNACHT] (zn- zusammen, ch wie in ach). Von 'z'Nacht' = zur Nacht. 'Gits' = gibt es. Abendessen heisst in der Schweiz immer 'Znacht', nie 'Abendessen'.
s Zmorge
das Frühstück
Zum Zmorge gits Gipfeli und Kafi.
Zum Frühstück gibt es Croissants und Kaffee.
Aussprache: [s ZMOR-ge] (zm- zusammen). Von 'z'Morge' = zum Morgen. 'Zmorge' ist auch ein Verb: 'mir gönd go zmorge' = wir gehen frühstücken.
s Rüebli
die Karotte / Möhre
De Rüeblisalat isch fein.
Der Karottensalat ist lecker.
Aussprache: [s RÜEB-li] (üe-Diphthong, Diminutiv -li). Diminutiv von 'Rüebe' (Rübe). Im Schweizerdeutschen die Standardbezeichnung für Karotten. 'Fein' = lecker.
s Härdöpfel
die Kartoffel
Mir händ hüt Härdöpfelstock.
Wir haben heute Kartoffelpüree.
Aussprache: [s HÄR-döp-fel] (ä wie in Bär, ö wie in Löffel). Wörtlich 'Erdapfel'. 'Härdöpfelstock' = Kartoffelpüree (speziell schweizerisch). Plural: Härdöpfel (unverändert).
s Poulet
das Hähnchen / Huhn
Ich nime s Poulet mit Reis.
Ich nehme das Hähnchen mit Reis.
Aussprache: [s pu-LEH] (französisch, End-t stumm). Aus dem Französischen 'poulet'. Wird 'Pule' ausgesprochen. In der Schweiz immer 'Poulet', nie 'Hähnchen'.
s Guetzli
das Plätzchen / der Keks
Mir bached Wienachts-Guetzli.
Wir backen Weihnachtsplätzchen.
Aussprache: [s GUETS-li] (ue+tz verschliffen). Diminutiv. In der Schweiz der Standardbegriff für Kekse/Plätzchen. 'Bached' = backen (wir-Form).
de Coiffeur
der Friseur
Ich muess zum Coiffeur, mini Haar sind z lang.
Ich muss zum Friseur, meine Haare sind zu lang.
Aussprache: [de koa-FÖR] (französisch). Aus dem Französischen. Wird 'Koafför' ausgesprochen. Weiblich: d Coiffeuse. 'Mini' = meine.
d Beiz
die Kneipe / das Restaurant
Chum, mir gönd i d Beiz!
Komm, wir gehen in die Kneipe!
Kommt von 'Beize'. Bezeichnet ein einfaches, gemütliches Lokal. Leicht derb, aber liebevoll gemeint.
de Estrich
der Dachboden
Die alte Sache sind uf em Estrich.
Die alten Sachen sind auf dem Dachboden.
ACHTUNG: Im Hochdeutschen ist 'Estrich' = Betonboden. Im Schweizerdeutschen ist 'Estrich' = Dachboden! Ein häufiges Missverständnis.
Wie im Hochdeutschen, aus dem Französischen. 'E' statt 'eine' (unbestimmter Artikel feminin).
d Nüssli
die Erdnüsse
Zum Apéro gits Nüssli und Chips.
Zum Apéro gibt es Erdnüsse und Chips.
Diminutiv von 'Nuss'. Im Schweizerdeutschen sind 'Nüssli' speziell Erdnüsse, nicht Nüsse allgemein.
s Jupe
der Rock (Kleidung)
Das Jupe passt der guet.
Der Rock passt dir gut.
Aussprache: [s SCHÜP] (j = sch, End-e stumm, französisch). Aus dem Französischen 'jupe'. In der Schweiz sagt man nie 'Rock' für das Kleidungsstück. Neutrum: s Jupe.
de Götti
der Pate / Taufpate
Min Götti hät mer es Velo gschänkt.
Mein Pate hat mir ein Fahrrad geschenkt.
Aussprache: [de GÖT-ti] (ö wie in Götter, doppeltes t). 'Götti' = Pate, 'd Gotte' = Patin. Wichtige soziale Rolle in der Schweiz. 'Gschänkt' = geschenkt.
d Gotte
die Patin / Taufpatin
Mini Gotte wohnt z Luzärn.
Meine Patin wohnt in Luzern.
Weibliches Gegenstück zum 'Götti'. 'Z Luzärn' = in Luzern. 'Z' = zu/in (Präposition bei Ortsnamen).
Aussprache: [d SCHUEL] (ue-Diphthong, klingt wie Schuhe+l). 'Schuel' statt 'Schule'. Das End-e fällt oft weg. 'Am achti' = um acht.
de Lade
der Laden / das Geschäft
De Lade isch am Sundi zue.
Der Laden ist am Sonntag geschlossen.
'Lade' = Laden. 'Zue' = zu/geschlossen. Am Sonntag sind in der Schweiz fast alle Geschäfte geschlossen.
d Migros
die Migros (Supermarktkette)
Ich gang no schnäll i d Migros.
Ich gehe noch schnell in die Migros.
Grösster Schweizer Detailhändler (= Einzelhändler). Gehört den Genossenschaften. Verkauft keinen Alkohol.
s Tram
die Straßenbahn
S Tram chunnt alli fünf Minute.
Die Straßenbahn kommt alle fünf Minuten.
In der Schweiz Neutrum: 's Tram' (nicht 'die Tram'). 'Alli' = alle. Wichtigstes Verkehrsmittel in Zürich.
de Fränkli
der Franken (Schweizer Währung)
Das chostet drü Fränkli.
Das kostet drei Franken.
Aussprache: [de FRÄNK-li] (ä wie in Bär, Diminutiv -li). Diminutiv von 'Franke'. 'Chostet' = kostet (k→ch). 'Drü' = drei. 'Rappe' = Rappen (Cent-Äquivalent).
de Stutz
der Franken (umgangssprachlich)
Häsch mer en Stutz?
Hast du mir einen Franken?
Umgangssprachlich für einen Franken. Wie 'Euro' oder 'Dollar' salopp. 'En' = einen.
huere
sehr / wahnsinnig (Verstärkung)
Das isch huere guet!
Das ist wahnsinnig gut!
Aussprache: [HUE-re] (ue-Diphthong, zweisilbig). Verstärkungspartikel, eigentlich vulgär (von 'Hure'), aber im alltäglichen Gebrauch abgeschwächt. Trotzdem nicht in formellen Situationen verwenden.
gäbig
praktisch / bequem / handlich
Das isch e gäbigi Löösig.
Das ist eine praktische Lösung.
Aussprache: [GÄ-big] (ä wie in Bär, ig-Endung). Typisch schweizerisches Adjektiv ohne genaues hochdeutsches Äquivalent. Bedeutet 'angenehm zu benutzen'. 'Löösig' = Lösung.
cheibe
verdammt / sehr (Verstärkung)
Das isch cheibe tüür!
Das ist verdammt teuer!
Aussprache: [CHEI-be] (starkes ch + ei). Mildere Variante von 'huere'. Wörtlich von 'Scheibe'. 'Tüür' = teuer (Vokalverschiebung eu→üü).
tipptopp
perfekt / prima / einwandfrei
Alles tipptopp, danke!
Alles prima, danke!
Sehr häufig in der Deutschschweiz. Drückt Zufriedenheit aus. Verwendet wie 'alles klar' oder 'wunderbar'.
blööd
blöd / dumm / ärgerlich
Das isch blööd gloffe.
Das ist blöd gelaufen.
Aussprache: [BLÖÖD] (langes ö, nicht kurz wie in blöd). 'Blööd' mit langem ö. 'Gloffe' = gelaufen. Kann auch 'unangenehm/ärgerlich' bedeuten.
gruusig
ekelig / schrecklich / grässlich
S Wetter isch hüt gruusig.
Das Wetter ist heute schrecklich.
Aussprache: [GRUU-sig] (langes u, nicht kurz). Von 'grausen'. Kann auch als Verstärkung dienen: 'gruusig guet' = schrecklich gut (wie 'furchtbar gut').
gschpässig
seltsam / komisch / eigenartig
De Typ isch echli gschpässig.
Der Typ ist etwas seltsam.
Aussprache: [GSCHPÄS-sig] (gschp- zusammen, ä wie in Bär). Von 'Spass'. Bedeutet NICHT 'spassig/lustig', sondern 'seltsam/merkwürdig'. Ein falscher Freund! 'Echli' = ein wenig.
glustig
neugierig / gelüstig / Appetit habend
Ich bi glustig uf de Film.
Ich bin neugierig auf den Film.
Aussprache: [GLUS-tig] (u wie in Fluss). Von 'Glust' = Lust/Appetit. 'Ich ha Gluscht uf Schoggi' = Ich habe Lust auf Schokolade. 'Glustig' = neugierig oder appetitlich.
strub
wild / heftig / turbulent
Es isch strub gsi geschter.
Es war heftig/wild gestern.
Kein hochdeutsches Äquivalent. Kann 'wild, heftig, turbulent, hektisch' bedeuten. 'Geschter' = gestern.
gmüetlich
gemütlich / behaglich
D Beiz isch huere gmüetlich.
Die Kneipe ist sehr gemütlich.
Aussprache: [GMÜET-lich] (gm- zusammen, üe-Diphthong). 'Gmüetlich' statt 'gemütlich' (Vorsilbe ge→g). In der Schweiz ein zentraler Wert.
fein
lecker / fein / gut (Essen)
S Ässe isch fein gsi!
Das Essen war lecker!
'Fein' = lecker (in Bezug auf Essen). Im Hochdeutschen eher 'lecker' oder 'gut'. 'Gsi' = gewesen.
lässig
cool / toll / super
Das isch e lässigi Idee!
Das ist eine tolle Idee!
Im Schweizerdeutschen stärker positiv als im Hochdeutschen. Bedeutet 'super/toll'. 'Lässigi' = feminine Form.
gäng
immer / ständig
Er isch gäng z spat.
Er ist immer zu spät.
Aussprache: [GÄNG] (ä wie in Bär, ng wie in singen). Adverb. 'Gäng' = immer. Bärndütsch-Variante, aber auch in Zürich verstanden. 'Z spat' = zu spät.
aasträngend
anstrengend
De Wanderig isch cheibe aasträngend gsi.
Die Wanderung war verdammt anstrengend.
Aussprache: [AA-strän-gend] (langes a am Anfang). 'Aasträngend' mit langem a. 'Wanderig' = Wanderung (Endung -ung → -ig).
chli
klein / ein wenig
Das isch es chli Problem.
Das ist ein kleines Problem.
Aussprache: [CHLI] (starkes ch + li, einsilbig). 'Chli' = klein oder 'ein bisschen'. 'Es chli' = ein wenig. Bärndütsch: 'chlii'.
gross
groß
Züri isch d gröscht Stadt vo de Schwiiz.
Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz.
'Gross' wie im Hochdeutschen. 'Gröscht' = grösste (Superlativ). 'Schwiiz' = Schweiz.
nöi
neu
Mir händ e nöii Wohnig.
Wir haben eine neue Wohnung.
Aussprache: [NÖI] (ö+i als Diphthong, einsilbig). 'Nöi' statt 'neu' (Diphthong eu→öi). 'Nöii' = neue (feminine/flektiert). 'Wohnig' = Wohnung.
alt
alt
S alte Huus wird abgrisse.
Das alte Haus wird abgerissen.
Wie im Hochdeutschen. 'Abgrisse' = abgerissen (Partizip). 'S alte' = das alte.
Aussprache: [SCHLÄCHT] (ä wie in Bär, ch wie in ach). 'Schlächt' mit ä statt e. Typische Vokalverschiebung.
Ich has Gfühl
Ich habe das Gefühl / Ich glaube
Ich has Gfühl, er chunnt hüt nöd.
Ich habe das Gefühl, er kommt heute nicht.
Aussprache: [ich has GFÜHL] (gf- zusammen als Anlaut). Sehr häufige Redewendung. 'Has' = habe das. Wird oft als Lückenfüller verwendet, ähnlich wie 'ich glaube' oder 'ich denke'.
es bitzeli
ein bisschen
Chasch du es bitzeli warte?
Kannst du ein bisschen warten?
Aussprache: [es BIT-ze-li] (Diminutiv -li). 'Bitzeli' = Diminutiv von 'Bitz' (Stück/Bissen). 'Es bitzeli' = ein kleines bisschen.
'Mega' als Verstärkungswort, besonders bei jüngeren Sprechern beliebt. 'Gsi' = gewesen.
Häsch es Füfliber?
Hast du ein Fünffrankenstück?
Häsch es Füfliber für de Automat?
Hast du ein Fünffrankenstück für den Automaten?
Aussprache: [häsch es FÜF-li-ber] (ü wie in fünf). 'Füfliber' = Fünf-Franken-Stück (von 'fünf Pfund/Livre'). 'Zwöiliber' = Zwei-Franken-Stück.
Was häsch gseit?
Was hast du gesagt?
Was häsch gseit? Ich ha nöd richtig glost.
Was hast du gesagt? Ich habe nicht richtig zugehört.
Aussprache: [was häsch GSEIT] (gs- zusammen, ei wie in Meister). 'Gseit' = gesagt (Partizip von 'säge'). 'Glost' = zugehört (Partizip von 'lose'). Kein Präteritum im Schweizerdeutschen!
Ig cha nöd
Ich kann nicht
Sorry, ig cha hüt nöd cho.
Sorry, ich kann heute nicht kommen.
Aussprache: [ig CHA nöd] (starkes ch, ö wie in Löffel). 'Ig' = ich (Zürich auch 'i'). 'Cha' = kann. 'Nöd' = nicht. 'Cho' = kommen (Infinitiv).
Das geit nöd
Das geht nicht
Das geit nöd, mir müend en anderi Löösig finde.
Das geht nicht, wir müssen eine andere Lösung finden.
Kurze Zustimmungsformel. Wird oft als Bestätigung oder Einverständnis verwendet.
S isch eso
So ist es / Stimmt
Ja, s isch eso, do häsch rächt.
Ja, so ist es, da hast du recht.
Bestätigende Redewendung. 'Eso' = so/auf diese Weise. 'Rächt' = recht.
Häsch rächt
Du hast recht
Häsch rächt, mir sötted gah.
Du hast recht, wir sollten gehen.
Aussprache: [häsch RÄCHT] (ä wie in Bär, ch wie in ach). 'Rächt' = recht (mit ä). 'Sötted' = sollten (wir-Form). 'Gah' = gehen.
Gopfridstutz!
Verdammt! / Mein Gott!
Gopfridstutz, das isch knapp gsi!
Verdammt, das war knapp!
Aussprache: [GOP-frid-stutz] (Betonung auf erster Silbe). Typisch schweizerischer Ausruf, Euphemismus für 'Gott verfluch's Kreuz'. Andere: 'Gopfertami', 'Gopferteckel'.
Gäll?
Nicht wahr? / Oder?
Das isch schön, gäll?
Das ist schön, nicht wahr?
Aussprache: [GÄLL] (ä wie in Bär, doppeltes l). Vergewisserungsfrage, wie süddeutsch 'gell'. Wird am Satzende angehängt. Sehr typisch für Schweizerdeutsch.
Oder?
Oder? / Nicht wahr?
Mir gönd morn go wandere, oder?
Wir gehen morgen wandern, oder?
Häufigste Vergewisserungsfrage. Fast jeder Satz kann mit 'oder?' beendet werden. 'Morn' = morgen.
'Au' = auch. 'Finde' wird wie im Hochdeutschen als Meinungsausdruck verwendet.
Das isch no cool
Das ist echt cool / Das ist noch toll
Das isch no cool, danke!
Das ist echt cool, danke!
'No' = noch (hier als Verstärkung). 'Cool' ist aus dem Englischen übernommen und im Schweizerdeutschen sehr gebräuchlich.
Mir gönd go...
Wir gehen ... (tun)
Mir gönd go bade am See.
Wir gehen am See baden.
Aussprache: [mir GÖND go] (ö wie in können, go kurz). 'Go' ist eine spezielle Partikel vor dem Infinitiv bei Bewegungsverben. 'Go ässe' = essen gehen, 'go poschte' = einkaufen gehen. Einzigartig im Schweizerdeutschen.
Heb de Schnuuf aa!
Halt die Luft an! / Moment mal!
Heb de Schnuuf aa, ich bi grad am Telefon.
Halt kurz die Luft an, ich bin gerade am Telefon.
Aussprache: [heb de SCHNUUF aa] (langes u, langes a). 'Heb' = halte. 'Schnuuf' = Atem/Luft. 'Aa' = an. Bedeutet 'warte einen Moment'.
chalt
kalt
Hüt isch es cheibe chalt.
Heute ist es verdammt kalt.
Aussprache: [CHALT] (starkes uvulares ch, wie kräftiges Räuspern + alt). k→ch Verschiebung: 'kalt' → 'chalt'. Das ch wird uvular gesprochen (hinten im Rachen), stärker als das deutsche 'ach'-ch.
d Chuchi
die Küche
Ich bi i de Chuchi am choche.
Ich bin in der Küche am Kochen.
Aussprache: [d CHU-chi] (beide ch stark uvular, wie Räuspern). Doppelte k→ch Verschiebung: 'Küche' → 'Chuchi'. 'Choche' = kochen. 'Am choche' = am Kochen (Verlaufsform).
d Chilbi
die Kirchweih / das Volksfest
An de Chilbi gits Zuckerwatte und Karussell.
An der Kirchweih gibt es Zuckerwatte und Karussell.
Aussprache: [d CHIL-bi] (starkes ch + il). 'Chilbi' von 'Kirchweih/Kilbi'. Jährliches Volksfest in fast jedem Schweizer Dorf. Wichtiges kulturelles Ereignis.
de Chäs
der Käse
De Schwiizer Chäs isch weltberühmt.
Der Schweizer Käse ist weltberühmt.
Aussprache: [de CHÄS] (starkes ch, ä wie in Bär). k→ch: 'Käse' → 'Chäs'. End-e fällt weg. Die Schweiz produziert über 450 Käsesorten.
Aussprache: [s BÜECH-li] (üe-Diphthong, ch wie in ich). Diminutiv: 'Buech' (Buch) → 'Büechli'. Der Diminutiv -li verursacht Umlaut. 'Gfunde' = gefunden.
s Vögeli
das Vögelchen / der kleine Vogel
S Vögeli singt uf em Baum.
Das Vögelchen singt auf dem Baum.
Aussprache: [s VÖ-ge-li] (ö wie in Vögel). Diminutiv: 'Vogel' → 'Vögeli'. Das -li verursacht Umlaut (o→ö). Diminutive sind im Schweizerdeutschen viel häufiger als im Hochdeutschen.
s Blüemli
das Blümchen / die kleine Blume
Ich ha der es Blüemli mitbracht.
Ich habe dir ein Blümchen mitgebracht.
Aussprache: [s BLÜEM-li] (üe-Diphthong). Diminutiv: 'Blueme' (Blume) → 'Blüemli'. 'Mitbracht' = mitgebracht. Diminutive drücken im Schweizerdeutschen oft Zuneigung aus.
s Müüsli
das Mäuschen / die kleine Maus
Im Chäller hets es Müüsli.
Im Keller gibt es eine kleine Maus.
Aussprache: [s MÜÜS-li] (langes ü, nicht Müesli = Müsli). Diminutiv: 'Muus' (Maus) → 'Müüsli'. Nicht zu verwechseln mit 'Müesli' (Müsli, das Essen). 'Chäller' = Keller.
de Aabig
der Abend
Am Aabig gömer uf en Apéro.
Am Abend gehen wir auf einen Apéro.
Aussprache: [de AA-big] (langes a, ig-Endung). 'Aabig' = Abend (mit langem a und ig-Endung). 'Gömer' = gehen wir (Verschmelzung). 'Uf en' = auf einen.
de Oobe
der Abend (formeller)
Schöne Oobe, schlafed guet!
Schönen Abend, schlaft gut!
Aussprache: [de OO-be] (langes geschlossenes o). 'Oobe' = Abend (formellere Variante). In 'Gueten Oobe' (Guten Abend) und 'Schöne Oobe' (Schönen Abend) verwendet.
Aussprache: [ich ha GSEIT] (gs- zusammen, ei wie in Meister). KEIN PRÄTERITUM im Schweizerdeutschen! Man sagt IMMER 'Ich ha gseit' (Perfekt), NIE 'Ich sagte'. Das Präteritum existiert nicht in der gesprochenen Sprache.
Ich ha das gmacht ghaa
Ich hatte das gemacht (Doppeltes Perfekt)
Ich ha das scho gmacht ghaa, bevor er cho isch.
Ich hatte das schon gemacht, bevor er gekommen ist.
Aussprache: [ich ha das GMACHT GHAA] (gm- und gh- als Anlaute). Doppeltes Perfekt ersetzt das Plusquamperfekt. Struktur: ha/bi + Partizip + ghaa/gsi. Auch im süddeutschen Deutsch bekannt.
Ich tue lese
Ich lese (gerade) / Ich bin am Lesen
Ich tue grad es Buech lese.
Ich lese gerade ein Buch.
Aussprache: [ich TUE le-se] (ue-Diphthong). tun-Periphrase: 'tue' + Infinitiv drückt eine laufende Handlung aus. Ersetzt die Verlaufsform. 'Grad' = gerade.
s Chindli
das Kindlein / Kindchen
S Chindli schlaft im Wägeli.
Das Kindlein schläft im Kinderwagen.
Aussprache: [s CHIND-li] (starkes ch, Diminutiv -li). Diminutiv -li: 'Chind' → 'Chindli'. 'Wägeli' = Kinderwagen (ebenfalls Diminutiv). Der Diminutiv -li ersetzt das hochdeutsche -chen/-lein und ist viel produktiver.
s Hündli
das Hündchen / der kleine Hund
S Hündli isch so härzig!
Das Hündchen ist so süß!
Aussprache: [s HÜND-li] (ü wie in Hündin, Diminutiv -li). Diminutiv -li mit Umlaut: 'Hund' → 'Hündli'. 'Härzig' = süß/niedlich (Helvetismus, von 'herzig'). Der Umlaut im Diminutiv ist obligatorisch, wenn möglich.
s Tässli
das Tässchen / die kleine Tasse
Wotsch no es Tässli Kafi?
Willst du noch ein Tässchen Kaffee?
Aussprache: [s TÄS-sli] (ä wie in Bär, Diminutiv). Diminutiv -li: 'Tasse' → 'Tässli'. Diminutiv-Endung -li kann nach fast jedem Substantiv stehen. Im Alltag viel häufiger als im Hochdeutschen.
Mir sind go poschte
Wir sind einkaufen gegangen
Mir sind geschter go poschte i de Migros.
Wir sind gestern in der Migros einkaufen gegangen.
Aussprache: [mir sind go POSCH-te] (go als kurze Partikel). 'Go' + Infinitiv nach Bewegungsverben: eine einzigartige schweizerdeutsche Konstruktion. 'Go ässe' = essen gehen, 'go luege' = schauen gehen.
I bi am schaffe
Ich bin am Arbeiten / Ich arbeite gerade
I bi am schaffe, chan grad nöd rede.
Ich bin am Arbeiten, kann gerade nicht reden.
Aussprache: [i bi am SCHAF-fe] (i = ich). 'Am' + Infinitiv = Verlaufsform (Rheinische Verlaufsform). Drückt eine gerade stattfindende Handlung aus. Auch: 'am choche', 'am lese'.
Er isch cho
Er ist gekommen
Er isch geschter cho und hät gfröögt.
Er ist gestern gekommen und hat gefragt.
Aussprache: [er isch CHO] (starkes ch). 'Cho' ist sowohl Infinitiv als auch Partizip von 'kommen'. Kein 'ge-' Präfix nötig. Bärndütsch: 'Er isch cho'.
Si hät wölle cho
Sie hat kommen wollen / Sie wollte kommen
Si hät wölle cho, aber si hät nöd chönne.
Sie wollte kommen, aber sie konnte nicht.
Aussprache: [si hät WÖL-le CHO] (ö wie in wölben, starkes ch). Modalverben im Perfekt: 'hät wölle cho' statt 'hat kommen wollen'. Reihenfolge: Hilfsverb + Modalverb + Vollverb. Kein Präteritum!
Mir händ s gmacht
Wir haben es gemacht
Mir händ s Projekt gester fertig gmacht.
Wir haben das Projekt gestern fertig gemacht.
Aussprache: [mir HÄND s GMACHT] (ä wie in Bär, gm- zusammen). 'Händ' = haben (wir-Form). 's' = es/das. Partizipien werden mit 'g-' statt 'ge-' gebildet: gmacht, gseit, gloffe, gfunde.
De wos gseit hät
Derjenige, der es gesagt hat
De wos gseit hät, isch de Peter.
Derjenige, der es gesagt hat, ist der Peter.
Aussprache: [de wos GSEIT hät] (gs- zusammen). 'Wo' als Relativpronomen statt 'der/die/das'. Im Schweizerdeutschen werden Relativsätze IMMER mit 'wo' gebildet, nie mit 'der/die/das'.
Aussprache: [NÖD] (ö wie in Löffel, kurz). 'Nöd' = nicht (Zürichdeutsch). Bärndütsch: 'nid'. Baseldeutsch: 'nit'. Regionale Unterschiede bei der Verneinung.
kei
kein / keine
Ich ha kei Gäld und kei Zit.
Ich habe kein Geld und keine Zeit.
'Kei' = kein/keine. Wird nicht nach Genus gebeugt in der Umgangssprache: 'kei Maa', 'kei Frau', 'kei Chind'.
de / d / s
der / die / das (bestimmte Artikel)
De Maa, d Frau und s Chind.
Der Mann, die Frau und das Kind.
Bestimmte Artikel: de (mask.), d (fem.), s (neutr.). Plural: d. Dativ: em (mask./neutr.), de (fem.), de (plur.). Kein Genitiv – wird durch 'vo' + Dativ ersetzt.
en / e / es
ein / eine / ein (unbestimmte Artikel)
En Maa, e Frau und es Chind.
Ein Mann, eine Frau und ein Kind.
Unbestimmte Artikel: en (mask.), e (fem.), es (neutr.). Kürzer als im Hochdeutschen. 'Es' nicht verwechseln mit dem Pronomen 'es'.
'Schlafe' = schlafen. 'Gschlafe' = geschlafen (Partizip). Konjugation: i schlafe, du schlafsch, er/si schlaft.
verstah
verstehen
Ich verstah kei Wort!
Ich verstehe kein Wort!
Aussprache: [fer-SCHTAH] (scht in der Mitte, langes a). 'Verstah' = verstehen. Partizip: 'verstande'. 'Kei Wort' = kein Wort. Wichtig, wenn man Schweizerdeutsch lernt!
zahle
zahlen / bezahlen
Wer zahlt hüt?
Wer zahlt heute?
'Zahle' = zahlen. Im Restaurant: 'Zahle bitte!' = Die Rechnung bitte. In der Schweiz teilt man die Rechnung oft.
probiere
versuchen / probieren
Probier mol de Chäs, de isch fein!
Probier mal den Käse, der ist lecker!
Aussprache: [pro-BIE-re] (Betonung auf zweiter Silbe). 'Probiere' = probieren/versuchen (aus dem Französischen). 'Probier' = Imperativ. 'Mol' = mal.
vergässe
vergessen
Ich ha s Natel dehei vergässe.
Ich habe das Handy zu Hause vergessen.
Aussprache: [fer-GÄS-se] (ä wie in Bär). 'Vergässe' = vergessen (e→ä). Partizip: 'vergässe'. 'Dehei' = daheim/zu Hause.
wüsche
wünschen
Ich wüsch der alles Gueti!
Ich wünsche dir alles Gute!
Aussprache: [WÜ-sche] (ü wie in wünschen, kein n). 'Wüsche' = wünschen. 'Alles Gueti' = alles Gute. 'Der' = dir.
dänke
denken
Ich dänke, mir sötted gah.
Ich denke, wir sollten gehen.
Aussprache: [DÄN-ke] (ä wie in Bär). 'Dänke' = denken (e→ä). Partizip: 'dänkt'. Konjugation: i dänke, du dänksch, er/si dänkt.
lache
lachen
Mir händ so fest glacht!
Wir haben so sehr gelacht!
'Lache' = lachen. 'Glacht' = gelacht. 'Fest' = stark/sehr (in diesem Kontext).
Aussprache: [d BÜÜ-ni] (langes ü). 'Bühni' = Dachboden (in manchen Regionen). Nicht verwechseln mit 'Bühne' (Theater). Bärndütsch-Variante für 'Estrich'.
s Wasser
das Wasser
Chan ich es Glas Wasser haa?
Kann ich ein Glas Wasser haben?
'Wasser' wie im Hochdeutschen. Im Restaurant: 'Hahnenwasser' = Leitungswasser (wird in der Schweiz oft gratis serviert).
de Öpfel
der Apfel
De Öpfel isch suure.
Der Apfel ist sauer.
Aussprache: [de ÖP-fel] (ö wie in Öffnung). 'Öpfel' statt 'Apfel' (Vokalverschiebung a→ö). 'Suure' = sauer. Plural: d Öpfel (unverändert).
d Birre
die Birne
D Birre isch riif und süess.
Die Birne ist reif und süß.
'Birre' = Birne. 'Riif' = reif. 'Süess' = süß.
s Bett
das Bett
Ich gang is Bett, ich bi müed.
Ich gehe ins Bett, ich bin müde.
'Bett' wie im Hochdeutschen. 'Müed' = müde. 'Is' = ins.
d Schwyz
die Schweiz
D Schwiiz isch es schöns Land.
Die Schweiz ist ein schönes Land.
'Schwiiz' (Zürich) oder 'Schwyz' (historisch). Der Kanton Schwyz gab der Schweiz ihren Namen. 'Schöns' = schönes.
de Kanton
der Kanton (Bundesland)
D Schwiiz hät sächsezwänzg Kantön.
Die Schweiz hat sechsundzwanzig Kantone.
'Kanton' = Schweizer Bundesland. 26 Kantone mit grosser Autonomie. 'Sächsezwänzg' = sechsundzwanzig.
d Gmein
die Gemeinde
Eusi Gmein hät öppe drütuusig Iiwohner.
Unsere Gemeinde hat ungefähr dreitausend Einwohner.
Aussprache: [d GMEIN] (gm- zusammen als Anlaut). 'Gmein' = Gemeinde. 'Eusi' = unsere. 'Öppe' = ungefähr. 'Iiwohner' = Einwohner. Die Gemeinde ist die wichtigste politische Einheit.
s Trottinett
der Tretroller / E-Scooter
D Chind fahred mit em Trottinett.
Die Kinder fahren mit dem Tretroller.
Aussprache: [s tro-ti-NETT] (Betonung auf letzter Silbe). 'Trottinett' = Tretroller/Kickboard. Aus dem Französischen 'trottinette'. Auch E-Trottinett für E-Scooter.
schnäll
schnell
Mach schnäll, mir chömed z spat!
Mach schnell, wir kommen zu spät!
Aussprache: [SCHNÄLL] (ä wie in Bär, doppeltes l). 'Schnäll' = schnell (e→ä). 'Mach schnäll' = beeil dich. 'Chömed z spat' = kommen zu spät.
langsam
langsam
Red echli langsamer, bitte!
Sprich etwas langsamer, bitte!
'Langsam' wie im Hochdeutschen. 'Langsamer' = Komparativ. 'Echli' = etwas/ein wenig.
'Lustig' = lustig/fröhlich. Nicht verwechseln mit 'glustig' (neugierig/appetitlich). 'Lustige' = lustiger (flektiert).
tüür
teuer
D Schwiiz isch huere tüür.
Die Schweiz ist sehr teuer.
Aussprache: [TÜÜR] (langes ü, kein Diphthong eu wie in teuer). 'Tüür' statt 'teuer' (Diphthong eu→üü). Typische Vokalverschiebung im Schweizerdeutschen.
billig
billig / günstig
Das isch aber billig für d Schwiiz!
Das ist aber billig für die Schweiz!
'Billig' wie im Hochdeutschen. In der Schweiz kann auch 'günstig' negativ klingen (= billig/minderwertig).
parat
bereit / fertig
Bisch parat? Mir müessed gah.
Bist du fertig? Wir müssen gehen.
'Parat' = bereit/fertig (aus dem Französischen 'paré'). Sehr häufig: 's Ässe isch parat' = das Essen ist fertig.
gnaue / genau
genau
Gnaue, das han ich au gmeint!
Genau, das habe ich auch gemeint!
Aussprache: [GNAU-e] (gn- zusammen als Anlaut). 'Gnaue' oder 'genau'. Beide Formen gebräuchlich. Als Zustimmung extrem häufig.
Das isch de Hammer!
Das ist der Hammer! / Das ist großartig!
Das isch de Hammer, mir händ gwunne!
Das ist großartig, wir haben gewonnen!
Aussprache: [das isch de HAM-mer]. Umgangssprachlicher Ausruf der Begeisterung. 'Gwunne' = gewonnen.
'Meie' = mähen. 'Rase' = Rasen. Im Sommer eine wichtige Pflicht in der Schweiz.
gschpüre
spüren / fühlen
Ich gschpüre de Wind, es chunnt en Sturm.
Ich spüre den Wind, es kommt ein Sturm.
Aussprache: [GSCHPÜ-re] (gschp- als ein Anlaut). 'Gschpüre' = spüren. Das Präfix ge- → g- ist typisch: 'gschpüre', 'gschmöcke', 'ghöre'.
gschmöcke
riechen / schmecken
S gschmöckt huere guet do!
Es riecht hier sehr gut!
Aussprache: [GSCHMÖK-ke] (gschm- zusammen, ö wie in Löffel). 'Gschmöcke' = riechen (intransitiv). ACHTUNG: Im Schweizerdeutschen heisst 'schmecken' = riechen, nicht kosten! 'Probiere' = schmecken/kosten.
d Gass
die Gasse / Straße
D Bahnhofstrass isch d längscht Iichaufsgass vo Europa.
Die Bahnhofstraße ist die längste Einkaufsstraße Europas.
Aussprache: [d GASS] (kurzes a, doppeltes s). 'Gass' = Gasse/Straße. In vielen Schweizer Städten heissen Straßen 'Gasse'. 'Iichaufsgass' = Einkaufsstraße.
de Zürcher
der Zürcher (Einwohner)
De Zürcher redet andersch als de Bärner.
Der Zürcher redet anders als der Berner.
'Zürcher' = Einwohner von Zürich. 'Bärner' = Einwohner von Bern. 'Andersch' = anders.
de Usländer
der Ausländer
Vili Usländer lehred Schwiizerdütsch.
Viele Ausländer lernen Schweizerdeutsch.
Aussprache: [de US-län-der] (u statt au, ä wie in Bär). 'Usländer' = Ausländer (au→u). 'Vili' = viele. 'Lehred' = lernen (wir/sie-Form von 'lehre').
s Heftli
das Heft / die Zeitschrift
Ich lise es Heftli im Zug.
Ich lese eine Zeitschrift im Zug.
Aussprache: [s HEFT-li] (Diminutiv -li). Diminutiv: 'Heft' → 'Heftli'. 'Lise' = lese. Kann 'Schulheft' oder 'Zeitschrift' bedeuten.
de Nachteil
der Nachteil
De Nachteil isch, dass es huere tüür isch.
Der Nachteil ist, dass es sehr teuer ist.
'Nachteil' wie im Hochdeutschen. 'Vorteil' = Vorteil. 'Tüür' = teuer.
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Grammar Guide (10)
Kein Präteritum
Schweizerdeutsch verwendet nur das Perfekt – nie das Präteritum
Ich ha geschter es Buech gläse. Ich ha gseit gha, dass ich chome.
Schweizerdeutsch kennt kein Präteritum (ich machte, ich ging). Man verwendet immer das Perfekt: ich ha gmacht, ich bi gange.
Das Perfekt wird mit 'haa' (haben) oder 'sii' (sein) + Partizip gebildet: Ich ha gschribe. Er isch cho.
Für Vergangenheit in der Vergangenheit gibt es das Doppelperfekt: Ich ha gseit gha (ich hatte gesagt).
Auch 'war' und 'hatte' werden umschrieben: ich bi gsi (ich war), ich ha gha (ich hatte).
Ausnahme: nur 'sii' (sein) hat selten eine Präteritumform ('ich war' → 'ich bi gsi', nie 'ich was').
tun-Periphrase
Mit 'tue' + Infinitiv werden gewohnheitsmäßige oder laufende Handlungen ausgedrückt
Ich tue jede Morge Ziitig läse.
'Tue' + Infinitiv drückt gewohnheitsmäßige oder gerade andauernde Handlungen aus: Ich tue läse (ich lese gerade/ich pflege zu lesen).
Konjugation von 'tue': i tue, du tuesch, er/si tuet, mir tüend, ir tüend, si tüend.
Die Konstruktion ist im Hochdeutschen als umgangssprachlich verpönt, im Schweizerdeutschen aber Standardgebrauch.
Beispiele: Si tuet immer so spät cho (Sie kommt immer so spät). Mir tüend am Sunntig wandere (Wir wandern sonntags).
Die tun-Periphrase kann auch höfliche Abschwächung ausdrücken: Ich tät gärn es Bier bstelle (Ich würde gern ein Bier bestellen).
go-Konstruktion
Die Partikel 'go' steht vor dem Infinitiv nach Bewegungsverben
Ich gah go poschte. Chunnsch go schwümme?
Nach Bewegungsverben (gah, cho, laufe) steht die Partikel 'go' vor dem Infinitiv: Ich gah go poschte (Ich gehe einkaufen).
'Go' entspricht dem deutschen 'zum/um zu' bei Bewegung + Zweck: Mir gönd go ässe (Wir gehen essen).
Auch mit 'cho': Chunnsch go luege? (Kommst du schauen?). Er chunnt go hälfe (Er kommt helfen).
Bei manchen Verben verdoppelt sich 'go': Ich gah go go luege (Ich gehe schauen gehen) – regional unterschiedlich.
Die Konstruktion existiert nicht im Hochdeutschen und ist ein typisches Merkmal aller alemannischen Dialekte.
Kein Genitiv
Der Genitiv existiert nicht – er wird durch Dativ + 'vo/vom' ersetzt
S Auto vom Vater. D Farb vo de Blueme.
Schweizerdeutsch hat keinen Genitiv. Besitz wird mit Dativ + 'vo/vom' ausgedrückt: s Huus vom Nachbar (das Haus des Nachbarn).
'Vo' + Dativ ersetzt alle Genitivfunktionen: wäge dem Wätter (wegen des Wetters), aastatt vom Kafi (anstatt des Kaffees).
Artikel im Dativ: em (maskulin/neutrum), ere (feminin), de (Plural). Beispiel: s Buch vo de Lehreri (das Buch der Lehrerin).
Auch possessive Konstruktion: Dem Vater sis Auto (des Vaters Auto) – Dativ + Possessivpronomen.
Der Genitiv lebt nur noch in festen Redewendungen: 'uf keinen Fall' oder in Ortsnamen weiter.
Diminutiv -li
Das Diminutiv -li ist viel produktiver als das hochdeutsche -chen/-lein
Es Brötli, es Hündli, es Kafi-Tässli, es Bänkli.
Die Diminutivendung -li ersetzt das hochdeutsche -chen/-lein: Hund→Hündli, Brot→Brötli, Tisch→Tischli.
Der Stammvokal wird oft umgelautet: a→ä (Glas→Gläsli), u→ü (Hund→Hündli), o→ö (Wort→Wörtli).
-li ist viel produktiver als im Hochdeutschen: Rüebli (Karotte, keine Verkleinerung mehr), Müesli (keine Verkleinerung), Guetzli (Keks).
Alle Diminutive sind Neutrum: s Meitli (das Mädchen), s Büebli (der kleine Junge), s Chätzli (das Kätzchen).
In Bern: -i statt -li: Hundi, Bröti. In Basel: -li wie in Zürich. Die Form variiert regional.
Relativpronomen 'wo'
'Wo' ist das universelle Relativpronomen – es ersetzt der/die/das/welcher
De Maa, wo da wohnt. D Frau, wo ich gsee ha.
'Wo' ist das einzige Relativpronomen im Schweizerdeutschen: De Maa, wo chunnt (Der Mann, der kommt).
Es ist unveränderlich – kein Genus, kein Kasus: D Frau, wo do wohnt. S Chind, wo spilt.
Bei Akkusativ-/Dativ-Bezug wird ein Pronomen ergänzt: De Maa, wo ich en gsee ha (den ich gesehen habe). D Frau, wo ich ere ghulfe ha (der ich geholfen habe).
Mit Präpositionen: S Huus, wo mir drin wohned (in dem wir wohnen). De Stuel, wo er druf hockt (auf dem er sitzt).
'Wo' wird nie durch 'der/die/das' oder 'welcher' ersetzt – auch nicht in formeller Sprache.
Artikel & Kasus
Die Artikel sind de/d/s statt der/die/das – der Akkusativ gleicht meist dem Nominativ
De Maa gseht d Frau. Ich gib em Maa s Buech.
Bestimmte Artikel: de (maskulin), d (feminin), s (neutrum), d (Plural). Beispiel: de Hund, d Chatz, s Huus, d Lüüt.
Unbestimmte Artikel: en (maskulin), e (feminin), es (neutrum). Beispiel: en Maa, e Frau, es Chind.
Akkusativ ist meist gleich wie Nominativ: Ich gseh de Maa (nicht 'den Mann'). Nur Pronomen ändern sich: ich→mi, er→en.
Dativ: em (maskulin/neutrum), ere (feminin), de (Plural). Beispiel: Ich gib em Maa s Gäld. Ich hilfe de Chind.
Der Dativ wird mit Präpositionen häufig verschmolzen: im (in em), am (a em), vom (vo em), zum (zu em).
k→ch Lautverschiebung
Anlautendes k- wird systematisch zu ch-: kaufen→chaufe, Kind→Chind, kalt→chalt
S Chind isch chrank und chönnt nöd cho.
Alle Wörter mit anlautendem k- haben im Schweizerdeutschen ch-: kaufen→chaufe, Kind→Chind, kalt→chalt, Kirche→Chile.
Das ch ist ein uvularer Frikativ [χ], deutlich stärker als das deutsche 'ach'-ch: können→chönne, kommen→cho, Kopf→Chopf.
Auch k im Wortinneren verschiebt sich: Decke→Teggi, trinken→trinke (bleibt wegen -nk). Auslautendes -k bleibt oft: Stück→Stuck.
Die Verschiebung gilt für germanische Wörter. Fremdwörter behalten k: Kino, Kilometer, Kaffee→Kafi (teilweise angepasst).
Diese Verschiebung ist eines der auffälligsten Merkmale des Schweizerdeutschen und trennt es klar vom Hochdeutschen.
Verbkonjugation
Die Verbendungen unterscheiden sich vom Hochdeutschen – Plural auf -ed, kein -en
Ich mache, du machsch, er macht, mir mached, ir mached, si mached.
Präsens-Endungen: ich -e, du -sch, er/si/es -t, mir -ed, ir -ed, si -ed. Beispiel: ich gang, du gasch, er gaht, mir gönd.
Die 2. Person Singular endet immer auf -sch: du machsch, du chunnsch, du hesch. Nicht -st wie im Hochdeutschen.
Der Plural (wir/ihr/sie) hat einheitlich -ed: mir mached, ir mached, si mached. Kein -en wie im Hochdeutschen.
Starke Verben haben oft andere Stammvokale: geben→gäh (i gib, du gisch, er git, mir gäbed).
Die Höflichkeitsform 'Sie' verwendet die 3. Person Plural: Chömed Si ine! (Kommen Sie herein!)